Was ist Zen?

Alle Wahrheit kommt im Zen von innen, und es hat nichts zu tun mit irgendeinem religiösen Dogma, welcher Art es auch immer sein mag. Wesentlich im Zen ist immer die durch die Praxis des Zen herbeigeführte Entwicklung zum intuitiven Begreifen, anstelle intellektuellen Studiums. Die wesentlichen Merkmale des Zen wurden in der früheren Tang-Dynastie in vier kurze Sätze zusammengefasst:

1) Übertragung außerhalb der orthodoxen Lehre
2) Unabhängigkeit von heiligen Schriften
3) Direktes deuten auf den Herz-Geist
4) Schau in die eigene Natur und Erlangen der Buddhaschaft

Ein Christ kann genauso wie ein Buddhist im Zen leben, denn Zen ist nicht eine Religion unter vielen anderen, sondern – Grundlage aller Religionen.

Zen-Meister Zensho W. Kopp

Ein Zen-Mönch fragt Pai-chang: »Meister, was
ist deine Art zu leben – was ist das Geheimnis
deines Zen?«
Der Meister sagt: »Wenn ich hungrig bin, esse
ich, und wenn ich müde bin, schlafe ich.«
»Ja«, sagt der Mönch, »das ist ja alles ganz schön
und gut, aber das tun wir doch alle. Was ist denn
da so Besonderes dran?«
»Nun«, sagt der Meister, »wenn ihr esst, dann
habt ihr dabei tausend Gedanken und seid im Da
und Dort, und wenn ihr schlaft, habt ihr in euren
Träumen viele Ängste und Wünsche.
Doch wenn ich esse, esse ich und sonst nichts.
Und wenn ich schlafe, schlafe ich und sonst
nichts. Das ist das Geheimnis meines Zen.«

Ein Mönch fragt Zen-Meister Wei-kuan: »Was ist
der Weg?«
Der Meister: »Er liegt vor deinen Augen.«
Der Mönch: »Warum kann ich ihn dann nicht
sehen?«
Der Meister: »Weil du an dein Ich denkst.«
Der Mönch: »Siehst du ihn denn?«
Der Meister: »Solange du noch Worte gebrauchst
wie »Ich« und »Du« und Sätze sprichst wie »Du
siehst« und »Ich sehe nicht«, kannst du den Weg
nicht sehen.«
Der Mönch: »Wenn es kein Ich und kein Du
mehr gibt, kann man ihn dann sehen?«
Der Meister: »Wenn es kein Ich und kein Du
mehr gibt, wer will ihn dann sehen?«


Einmal wurde Zen-Meister Joshu von einem
Mönch gefragt: »Wer ist der Buddha?«
Der Meister sagte: »Der im Schrein.«
Der Mönch: »Der Buddha im Schrein besitzt aber
eine Form. Doch wer ist der wirkliche Buddha?«
»Der Geist ist Buddha.«
»Der Geist ist immer noch messbar. Doch wer ist
der wirkliche Buddha?«
»Nicht-Geist ist Buddha«, sagte Joshu.
»Ist es erlaubt, zwischen Geist und Nicht-Geist
zu unterscheiden?«
Joshu antwortete: »Du hast bereits eine Unterscheidung
getroffen. Was soll ich noch weiter
darüber sagen?«


Der junge Zenschüler Joshu fragt voller Neugierde seinen alten Lehrer und Zenmeister Nansen: “Was ist der Weg?”
Und Nansen antwortet: “Der alltägliche Geist ist der Weg”.
“Ja, und wie findet man diesen Weg?” fragt Joshu weiter.
“Je mehr du versuchst ihn zu finden desto mehr entfernst du dich von ihm” antwortet der Meister.